Auslastung“ von Golfanlagen: Nicht Mitglieder, sondern Tee Times!

(02.01.2015)   Viele der konkurrierenden Golfanlagen seien bereits „ausgelastet“ und nähmen keine Mitglieder mehr auf. Daher ergäbe sich eine positive Prognose für die „Auslastung“ der geplanten Anlage. So die Aussage im Text zum Bebauungsplan für eine neue Golfanlage.

Die Golfplatz-„Auslastung“ sei im Vergleich zum deutschen Durchschnitt überdurchschnittlich. Dies sei positiv zu werten, da „zu viele“ Golfer pro Platz im Einzugsgebiet lebten. So die Aussage in der Einzugsgebietsanalyse für eine bestehende Golfanlage.

In beiden ausschnittsweise zitierten Aussagen dient die Anzahl registrierter Golfer (Mitglieder) pro Golfplatz als Maßstab für die angebliche „Auslastung“ von Golfanlagen. Die Bezugsgröße dabei ist jeweils das Kontingent von 1.400 DGV-Ausweisen pro 18-Löcher-Einheit.

Diese Bezugsgröße ist irreführend. Sagt doch die Anzahl der organisierten Golfer überhaupt nichts aus über die tatsächliche Spielhäufigkeit dieser Golfer bzw. die Inanspruchnahme zur Verfügung stehender Startzeiten. Richtig ist vielmehr:

„Auslastung“ ist die Relation zwischen der Kapazität von Golfanlagen („available tee times“) und ihrer tatsächlichen Nutzung („rounds played“).

Die Kapazität jeder Golfanlage ist definiert durch die Anzahl der dort maximal spielbaren Golfrunden pro Jahr. Bei einer durchschnittlichen Bespielbarkeit deutscher Golfplätze von Mitte März bis Ende November ergibt sich an rd. 260 Spieltagen eine theoretische Maximalkapazität von ca. 42.000 Tee Times pro Jahr.

Tatsächlich gespielt werden nach dem Betriebsvergleich des DGV auf deutschen 18-Löcher-Golfanlagen aber nur ca. 18.800 Mitglieder-Runden und 3.200 Gäste-Runden pro Jahr. Die verfügbaren Runden-Kapazitäten sind mithin nur zu ca. 52% ausgelastet.

Auch wenn die Mitgliedsbeiträge im Schnitt rd. 75% der Einnahmen des Betriebshaushalts deutscher Golfanlagen ausmachen (und -die bekanntlich zu billigen- Greenfees nur knapp über 8%), darf die „Auslastung“ von Golfanlagen keinesfalls einfach auf die Anzahl der Mitglieder -unabhängig von deren Spielfrequenz- bezogen werden. Zumal bekannt ist, dass in den letzten Jahren immer mehr Golfer immer weniger Runden gespielt haben. Weshalb der Ruf nach mehr „golfenden“ Golfern immer lauter wird.

In Bezug auf die „Auslastung“ von Golfanlagen, und insbesondere auch auf die Erträge, die aus dem Betrieb von Golfanlagen erwirtschaftet werden, ist es an der Zeit, sich auch in Deutschland an den internationalen Gepflogenheiten zu orientieren. Relevante Benchmarks sind international nicht „Mitglieder“, sondern „rounds played“ und „revenue per available tee time“.