Golf. Mitten ins Glück???

Von der Schwierigkeit, seines Glückes Schmied zu sein

(25.04.2015)   Die ersten TV-Spots der „crossmedialen Werbekampagne“ des DGV sind gelaufen. Ziel: Die Aufmerksamkeit potenzieller Golf-Interessenten zu wecken, damit diese über die Informationen einer zentralen Kampagnen-Website motiviert werden, an einem Golferlebnistag auf einer ihrem Wohnort nahegelegenen Golfanlage teilzunehmen. Und dort eventuell Lust bekommen, mit dem Golfen zu beginnen.

So weit, so gut. Der gezeigte TV-Werbespot aber wird nicht dazu beitragen können, dieses Ziel zu erreichen. Das Video erinnert allenfalls an „des Kaisers neue Kleider“. Warum? „Der schlägt ja gar keinen Ball!“ Der TV-Sport ist in keiner Weise authentisch. Der Mann in dem Video hat kein Golfbag, kein Tee, keinen Golfball und keine Mitspieler. Das Video zeigt keinen Humor, keine Freude, erst recht kein „Glück“. Anreize für potenzielle Golfinteressenten habe ich hier nicht gefunden.

Mag man über die Qualität und die Anreiz-Wirkung des -für meine Begriffe misslungenen- TV-Sports ggfs. noch diskutieren können, so wird man über die zentrale Kampagnen-Website überhaupt nicht diskutieren müssen. Die Selbstdarstellung der 470 teilnehmenden Golfanlagen (rd. 65% der deutschen Clubs und Betreiber) ist überwiegend „voll daneben“!

Jedermann in der Golfbranche weiß um die Notwendigkeit der Kundenorientierung und der gezielten Fokussierung auf den Nutzen und den Wert des Golfsports für die Kunden. Eine intelligente Kampagnen-Website muss diese Erkenntnisse transportieren. Die Clubs und Betreiber müssen sich hier gegenüber der angestrebten Zielgruppe der Neukunden positionieren, indem sie den Wert und Nutzen für Interessenten, Einsteiger und Beginner herausstellen, Berührungsängste abbauen und ihre „Willkommenskultur“ zum Ausdruck zu bringen.

Was aber bietet die Kampagnen-Website? Von wenigen Ausnahmen abgesehen, eher total abschreckende Beschreibungen höchster sportlicher Herausforderungen des jeweiligen Golfplatzes für ambitionierte Golfer. Hier vier Beispiele aus den vier Ecken der Republik:

Nördlichste Golfanlage: „28 Bunker zwingen die Spieler zu Präzision“. Westlichste Golfanlage: „Schwierige, variantenreiche und stark ondulierte Grüns erfordern ein präzises und konzentriertes Spiel“. Östlichste Golfanlage: „Spielbahnen erfordern Longhitter-Qualitäten und Präzision“. Will man mit diesen Darstellungen etwa Neugolfer motivieren?

Jeder ist seines Glückes Schmied. Clubs und Betreiber sind mit solchen Positionierungen in Bezug auf die Interessenslage von Neugolfern (!) völlig auf dem Holzweg. Welche „Hilfestellungen“ haben der DGV und die beauftragte Agentur den Clubs und Betreibern im Rahmen des „Kampagnen-Toolkits“ da bloß gegeben?

Da lobe ich mir doch eine der raren richtigen, an den Interessen der zu gewinnenden Neu-Kunden orientierten Aussagen, und zwar die der südlichsten Golfanlage „Herzlicher, individueller Gäste-Service“.